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DE: Tauss bringt Internetsperren vor Verfassungsgerichtshof

Der deutsche Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss, der wegen der Zustimmung der SPD zum “Zensursula”-Gesetz diese verlassen hat und nun die deutsche Piratenpartei unterstützt, will das “Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten” vor das Verfassungsgericht bringen. Das berichtet die futurezone:

Das Gesetz sei nicht ordnungsgemäß zustandegekommen, erklärte Tauss am Mittwoch in Berlin. Er verwies vor allem darauf, dass das Gesetz im Laufe des parlamentarischen Verfahrens ohne neue erste Lesung insgesamt “substanziell” verändert worden sei. Er wolle das Zustandekommen des Gesetzes daher durch ein Organstreitverfahren in Karlsruhe überprüfen lassen.

Damit thematisiert er, im Gegenteil zu der geplanten Beschwerde des Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur nicht die von vielen Gegner angenommene Grundgesetzwidrigkeit des Gesetzes an sich. Diese wird ja unter anderem angenommen, da das Gesetz mehr oder weniger die Gewaltentrennung aufhebt und gegen Artikel 5 des Grundgesetztes (Meinungsfreiheit) verstoßen soll.

Ob es sich dabei um eine koordinierte Strategie handelt, jede Möglichkeit auszuschöpfen, oder ob Tauss einfach der Meinung ist, dass das Gesetz wenn, dann an einem Verfahrensfehler scheitert, aber nicht per se Grundgesetzwidrig ist, ist nicht klar, aber auch insofern egal, als de facto das Ergebnis oben genannter Strategie eintritt. Möglicherweise wird sich das BVG also zweimal mit den geplanten Internetsperren auseinandersetzten müssen.

Tags: Bundestag, Grundgesetz, Meinungsfreiheit, Piratenpartei, Zensursula

Deutschland beschließt Internetsperren und diskutiert Erweiterung

Heute hat, wie erwartet, der deutsche Bundestag das Gesetz zur Einführung von Internetsperren beschlossen. Unter anderem war von Gegner argumentiert worden, dass damit eine Zensur-Infrastruktur errichtet würde, die dazu einlädt, auch für andere Seiten als “bloß” kinderpornographische verwendet zu werden. Von Seiten der Sperr-Befürworter hießt es dann immer sinngemäß “Aber nein, niemals”.

Heute, nachdem das Gesetz beschlossen wurde, macht der CDU-Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl bereits den Vorstoß, Internetsperren auf sogenannte “Killerspiele” auszuweiten (und bekräftigte damit nur einen Plan der in der CDU schon länger zu bestehen scheint).

Tags: CDU, Killerspiele, SPD, Sperrausweitung, Zensursula

Grüne erklären sich internetsperren

Ich habe ja schon in meinem letzten offenen Brief auf den Klubobmann der Oberösterreichischen Grünen Gottfried Hirz verwiesen. Der liebe Mann hat im Landtag für die Einrichtung einer Zensurinfrastruktur argumentiert und ich wollte das ihm sein grüner Kollege aus dem deutschen Bundestag einmal die Gefahren davon erklärt.

SG Klubobmann Gottfried Hirz,

ich habe ihre Rede im Oberösterreichischen Landtag gesehen und habe ihnen entschieden Widersprochen, da ihre Argumentation für mich sehr Gefährlich war.

Um ihnen meine Punkte darzulegen bitte ich sie einfach sich das gestrige Video ihres deutschen Parteikollegen Wolfgang Wieland aus dem Bundestag anzusehen.

Es geht bei dieser Zensurinfrastruktur nicht um die Verhinderung von Kinderpornographie oder dem Markt der darauf basiert.

Viele Beispiele aus Deutschland zeigen wie mit bestehenden Rechtsmitteln die Angebote innerhalb von Stunden vom Netz genommen werden können und gegen die Provider vorgegangen werden kann. Eine von ihnen argumentierte Zensurinfrastruktur hätte stattdessen weitreichende Folgen für die Informations- und Meinungsfreiheit im Internet.

Dieses Thema bewegt die Menschen, dass zeigt auch eine Petition im deutschen Bundestag, die annähernd 135.000 Menschen unterzeichnet haben.
Die Taktik die hier angestrebt wird ist auch absolut inadäquat um dem Problem zu begegnen. Die angestrebten Maßnahmen dienen weder der Verhinderung derartiger Straftaten noch werden die Dokumentationen davon wirklich gelöscht. Nach dem deutschen Modell, dass sie ja offiziel anstreben, wird nur ein Stoppschild davor gehängt. Deshalb hat sich in Deutschland auch schon ein Verein von Missbrauchsopfern gegen Internetsperren gegründet, der gegen die Instrumentalisierung dieses Themas auftrit.

Ich bitte Sie dieses Thema zu überdenken und nicht dem einfacheren, populistischen Kurs zu folgen.

mit freundlichen Grüßen,

Hier nochmal das Video von “unserem” Grünen:

(eine Kuriosität: beide Videos gleichzeitig laufen lassen und hören welche Wörter gleich sind)

Eine etwaige Antwort poste ich natürlich hier.

Dieser Beitrag ist ebenfalls auf hacking the social web erschienen

Tags: Grüne, Zensursula

134.014

So viele Unterzeichnungen bekam die deutsche Petition “Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” und brach damit alle Rekorde. Die für eine Behandlung im Petitionsausschuss des Bundestages benötigten 50.000 Unterschriften wurden innerhalb von 4 Tagen erreicht. Nun ist die Petition gegen Internetsperren die erfolgreichste Petition bisher. Allerdings droht ihr dasselbe Schicksal, wie der bis dato erfolgreichsten Petition (für eine Halbierung der Besteuerung von Benzin und Diesel) – vom Petitionsausschuss behandelt und dann abgeschlossen (dh heißt der Ausschuss sagt “sorry, aber das geht nicht”) zu werden. Gerade wenn man die nach dem Umfaller der SPD eingekehrte Einigkeit der deutschen Großen Koalition hinsichtlich der Einführung von Sperren (und auch beim Datenschutz) bedenkt.

Tags: CDU, ePetition, SPD, Zensursula

Nein, die SPD rettet niemand vor Zensur

Kurz schien es in den letzten Tag, wie berichtet, also könnte der junge Politiker Bjoern Boehing mit einigen Kollegen die sich in Wahlkampfstimmung bringende SPD tatsächlich auf Anti-Sperr-Kurs bringen. Doch ihr Initiativantrag wurde vom Parteivorstand für den Parteitag abgelehnt, stattdessen wurde ein anderer, schwächerer, Antrag beschlossen. Dieser wurde dann am Bundesparteitag durchgewunken. Was das für Deutschland bedeutet, darüber spekuliert netzpolitik.org hier.

Tags: Boehing, SPD, Zensursula