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Wie “Die Presse” über Internetsperren berichtet

Heue morgen erschien ein erster Artikel über den Beschluss des deutschen Bundestages Internetsperren einzuführen, auf der Website der “Presse”. Bei dem völlig unkritischen Text, der mehr einer Presseaussendung der zum Symbol gewordenen deutschen Ministerin “Zensursula” von der Leyen ähnelt, als einem Artikel einer Qualitätszeitung, dürfte es sich um eine Agenturmeldung handelt, das lässt zumindest der Vermerk “(Ag. )” am Ende des Textes vermuten.

Ganz anders der zu Mittag veröffentlichte Artikel “Deutsche Kinderporno-Sperren: Viel Lärm um wenig Wirksamkeit” von Daniel Breuss. Dieser verlinkt zwar auf den ersten Artikel, aber das war es dann auch schon, mit der Pro-Position. Es wird dem AK Zensur viel Platz gewährt, es wird ohne “Nebelgranaten” auf berechtigte Zweifel hinsichtlich irgendeiner Wirksamkeit hingewiesen, die Vorzüge und die Realisierbarkeit von “Löschen statt Sperren” werden ebenso besprochen, wie die kommende Bundestagswahl als Motiv für schnellen, billigen Populismus.

Sogar Harald Gremel vom österreichischen BKA, der Internetsperren absurder weise für wirksam hält und sich für diese ausspricht, wird nur so zitiert, als gäbe es im BKA kein Interesse daran. Bis auf letzteres ist der Artikel eigentlich ein guter Beitrag zur Volksbildung, nur Zitate muss man nicht so verkürzen, dass sie die gegenteilige Meinung des Urhebers unterstützen…

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Internetsperren im FORMAT diskutiert

Ich habe einen Fehler gemacht, und dem FORMAT unterstellt, nur die pro Internetsperren Position von Harald Gremel, BKA, zu drucken. Tatsächlich gibt es aber vier Beiträge zu dem Thema (die restlichen drei habe ich damals leider nicht gefunden), wie ich heute via Twitter bei Corinna Milborn gelesen habe.

Im FORMAT finden sich neben dem bereits erwähnten, jenseitigen, Kommentar von H. Gremel auch zwei kritische, nämlich einmal der von Sascha Lobo mit dem Titel “Sperrung bedeutet nicht löschen, sondern ein virtuelles Stoppschild davorzuhängen” der mit der schönen Frage beginnt, wie man mit einem brennenden Haus umgehen würde. Der zweite kritische Beitrag stammt von Andreas Wildberger (ISPA – Internet Service Providers Austria) und trägt den Titel “Zugangssperren einzurichten bedeutet, ein Melanom mit Make-up abzudecken“.

Außerdem beschrieb noch die zuletzt hier thematisierte österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner unter dem Titel “Die Rechtslage ist eindeutig un­zureichend, es gibt noch zahlreiche offene Fragen” ihre nebulöse Position, ohne wirklich etwas klar zu stellen.

Tags: Bandion-Ortner, bka, Harald Gremel, Internetsperren, ISPA, Medien

Internetsperren: Diskussion in Österreich angekommen (2)

Gestern wurde hier nur von einem ganzseitigen Artikel in der “Presse” berichtet, doch auch andere österreichische Medien haben das Thema bereits aufgegriffen. Initialzündung scheint dabei das “ISPA Forum: Sperren im Internet – Wirksame Maßnahmen gegen Kinderpornografie im Netz?” gewesen zu sein. Ein Bericht von der Veranstaltung (inklusive Unterlagen der Redner) findet sich bei der ISPA.

Die “Computerwelt” berichtet recht kritisch über die Position von Harald Gremel (der Kriminalbeamte der in allen Medienberichtet die Rolle des Sperr-Befürworters einnimmt) und lässt Kritiker ausführlich zu Wort kommen. Interessant ist auch, dass Gremel anscheinend behauptet, 8 von 10 Kriminellen wüssten nicht, wie man Internetsperren umgehen könnte. Abgesehen davon dass er das unmöglich aus Erfahrung wissen kann (oder aus Studien die das untersuchen), weil es die einfach noch nicht gibt, denke ich nicht dass jemand der in der Lage ist, online Kinderpornographie zu finden (was nicht so leicht sein dürfte), zu blöd ist “Netzsperre umgehen” zu googlen.

Die “Oberösterreichischen Nachrichten” schließen ihren Bericht leider mit einer unkritischen Wiedergabe von Gremels Behauptungen. Allerdings geben sie auch kritischen Stimmen Platz.

Auch die “Wiener Zeitung” stellt die Argumente von Sperr-Befürwortern und -Kritikern gegenüber, wobei ich in diesem Artikel, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, zum ersten Mal vom Verein für Internet-Benutzer Österreichs (VIBE), gehört habe, der ebenfalls zu den Kritikern der Zensurmaßnahmen gehört.

Ein sehr schöner Bericht findet sich bei Ö1, wo auch kritischen Informationen, wie der geringen Anzahl von “Kinderporno-Seiten” auf den Sperrlisten gegen Kinderpornographie in den nördlichen Staaten Europas, eingebaut wurden. Man hat offenbar Informationen über die deutsche Diskussion eingeholt, so wird etwa der Verein “MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren (MOGIS)” erwähnt (ohne beim Namen genannt zu werden).

Andere Medien haben dafür überhaupt darauf verzichtet, eine andere Meinung als die des BKA zu berücksichtigen. “FORMAT” etwa schaltet praktisch ein nicht gekennzeichnetes Inserat unter dem Titel “Webfilter sind nur ein Hilfsmittel, aber eines, das auch bei uns funktionieren würde“. Auch bei “Vorarlberg Online” kommen kritische Stimmen nicht vor.

Tags: bka, Harald Gremel, ISPA, Medien, mogis, vibe