Artikel getaggt mit ISPA

Schützt die Kunden vor sich selbst!

Ok, die News sind alt, das passierte Ende Juli. Der (lokal tätige) englische Provider Karoo dreht Kunden bei Verstößen gegen das Urheberrecht ohne weitere Vorwarnung die Internetleitung ab und nennt das einen “verantwortungsvollen Zugang”. Bürgerrechtler und Datenschützer nennen das anders.

Warum ich die alte Geschichte erzähle? Wegen der Reaktion des Brachenverbands der Österreichischen InternetServiceProvier (ISPA):

“Nach österreichischem Recht wäre das Abschalten des Internetzugangs ohne Vorwarnung schwer vorstellbar”, so Andreas Wildberger, Generalsekretär des österreichischen Branchenverbands ISPA , gegenüber pressetext.

“Die österreichischen Provider sind strikt gegen Internetsperren. Für uns bedeutet das einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre und die Informationsfreiheit”, kommentiert Wildberger die Idee. Eine Abschaltung des Internetzugangs von Filesharern sei in Österreich auch nicht angedacht. Grundsätzlich, so Wildberger, müsse es auch andere Möglichkeiten geben, dem Problem Herr zu werden. “Internetsperren würden zudem die Betroffenen aus der Informationsgesellschaft ausschließen”, sagt er.

Sympathisch.

Tags: England, ISPA

Internetsperren im FORMAT diskutiert

Ich habe einen Fehler gemacht, und dem FORMAT unterstellt, nur die pro Internetsperren Position von Harald Gremel, BKA, zu drucken. Tatsächlich gibt es aber vier Beiträge zu dem Thema (die restlichen drei habe ich damals leider nicht gefunden), wie ich heute via Twitter bei Corinna Milborn gelesen habe.

Im FORMAT finden sich neben dem bereits erwähnten, jenseitigen, Kommentar von H. Gremel auch zwei kritische, nämlich einmal der von Sascha Lobo mit dem Titel “Sperrung bedeutet nicht löschen, sondern ein virtuelles Stoppschild davorzuhängen” der mit der schönen Frage beginnt, wie man mit einem brennenden Haus umgehen würde. Der zweite kritische Beitrag stammt von Andreas Wildberger (ISPA – Internet Service Providers Austria) und trägt den Titel “Zugangssperren einzurichten bedeutet, ein Melanom mit Make-up abzudecken“.

Außerdem beschrieb noch die zuletzt hier thematisierte österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner unter dem Titel “Die Rechtslage ist eindeutig un­zureichend, es gibt noch zahlreiche offene Fragen” ihre nebulöse Position, ohne wirklich etwas klar zu stellen.

Tags: Bandion-Ortner, bka, Harald Gremel, Internetsperren, ISPA, Medien

Internetsperren: Diskussion in Österreich angekommen (2)

Gestern wurde hier nur von einem ganzseitigen Artikel in der “Presse” berichtet, doch auch andere österreichische Medien haben das Thema bereits aufgegriffen. Initialzündung scheint dabei das “ISPA Forum: Sperren im Internet – Wirksame Maßnahmen gegen Kinderpornografie im Netz?” gewesen zu sein. Ein Bericht von der Veranstaltung (inklusive Unterlagen der Redner) findet sich bei der ISPA.

Die “Computerwelt” berichtet recht kritisch über die Position von Harald Gremel (der Kriminalbeamte der in allen Medienberichtet die Rolle des Sperr-Befürworters einnimmt) und lässt Kritiker ausführlich zu Wort kommen. Interessant ist auch, dass Gremel anscheinend behauptet, 8 von 10 Kriminellen wüssten nicht, wie man Internetsperren umgehen könnte. Abgesehen davon dass er das unmöglich aus Erfahrung wissen kann (oder aus Studien die das untersuchen), weil es die einfach noch nicht gibt, denke ich nicht dass jemand der in der Lage ist, online Kinderpornographie zu finden (was nicht so leicht sein dürfte), zu blöd ist “Netzsperre umgehen” zu googlen.

Die “Oberösterreichischen Nachrichten” schließen ihren Bericht leider mit einer unkritischen Wiedergabe von Gremels Behauptungen. Allerdings geben sie auch kritischen Stimmen Platz.

Auch die “Wiener Zeitung” stellt die Argumente von Sperr-Befürwortern und -Kritikern gegenüber, wobei ich in diesem Artikel, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, zum ersten Mal vom Verein für Internet-Benutzer Österreichs (VIBE), gehört habe, der ebenfalls zu den Kritikern der Zensurmaßnahmen gehört.

Ein sehr schöner Bericht findet sich bei Ö1, wo auch kritischen Informationen, wie der geringen Anzahl von “Kinderporno-Seiten” auf den Sperrlisten gegen Kinderpornographie in den nördlichen Staaten Europas, eingebaut wurden. Man hat offenbar Informationen über die deutsche Diskussion eingeholt, so wird etwa der Verein “MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren (MOGIS)” erwähnt (ohne beim Namen genannt zu werden).

Andere Medien haben dafür überhaupt darauf verzichtet, eine andere Meinung als die des BKA zu berücksichtigen. “FORMAT” etwa schaltet praktisch ein nicht gekennzeichnetes Inserat unter dem Titel “Webfilter sind nur ein Hilfsmittel, aber eines, das auch bei uns funktionieren würde“. Auch bei “Vorarlberg Online” kommen kritische Stimmen nicht vor.

Tags: bka, Harald Gremel, ISPA, Medien, mogis, vibe

Internetsperren: Diskussion in Österreich angekommen

Eben frag ich mich noch ob die Diskussion wohl überhaupt nach Österreich kommen wird, da weißt mich Marco Schreuder darauf hin, dass sie wohl endgültig da ist. Die “Presse” berichtet heute in einem ganzseitigen Artikel im Österreichteil über das Thema “Kinderpornos: ‘Internet sperren’” (Überschrift in der Printausgabe, online heißt der Artikel “Kinderpornos: Streit um Internetsperren“). Willkommen in der deutschen Diskussion!

Für die “Presse” wurde die Diskussion durch die am 1. Juni in Kraft getretene Verschärfung des Sexualstrafrechts ausgelöst (nicht mehr nur der Download, auch das bewusste ansteuern und online anschauen ist nun strafbar). Die, laut “Presse”, einfach klingende Lösung “diese Seiten eben vom Netz” zu nehmen, sei “in der Praxis umkämpft. Und problematisch.” Das wird mit einem Rückgriff auf die hier bereits kritisierten Aussagen von Harald Gremel (Internetermittler der Meldestelle für Kinderpornographie im BKA) argumentiert, nämlich dass “die Server (Zentralrechner), die die Bilder liefern, [...] sich aber im Ausland [befinden]“. Und dann wird sogar noch erwähnt, dass es sich dabei etwa um die USA, Russland und Spanien handelt. Drei demokratische (mehr oder weniger, aber das ist nicht des Pudels Kern) Ländern in denen Kinderpornographie verboten ist.

Auch die Kritik von Andreas Wildberger, dem Generalsekretär der Internet Service Provider Austria (ISPA), der auf die leichte Umgehbarkeit dieser Sperren hinweist, vor allem aber vor dem salonfähig machen von Zensur warnt, beeindruckt Gremel, zumindest laut “Presse”, nicht:

„Webfiltering ist mit Sicherheit sinnvoll. Die Provider sind dagegen, weil es was kostet, weil sie einen Aufwand hätten, sie müssten Filter einbauen.“ Seine Forderung: „Ja“ zu Sperren von Kinderpornoseiten.
Nachsatz: „In Deutschland funktioniert es.“

Erstaunlich, wie nach monatelanger deutscher Diskussion, die wirklich alles was Harald Gremel behauptet bzw. als Argument anführt, wiederlegt oder entkräftet hat, das einfach so daherkommen kann.

Bis hierher hat die “Presse” im wesentlichen die Aussagen von Harald Gremel und Andreas Wildberger gegenübergestellt. Jetzt kommt aber der Teil des Artikels, wo neues ergänzt wird. Nämlich dass “auch in Österreich Handlungsbedarf herrscht [Anm: Was niemand in Abrede stellt. Jeder "Kinderporno" ist einer zuviel]” was mit Zahlen untermauert wird: “Langten im Jahr 2007 exakt 3698 Hinweise bei der Meldestelle für Internet-Kinderpornografie ein, so waren es im Vorjahr bereits 5238. Allein in Wien wurden 2007 163 Fälle von „Pornografischen Darstellungen Minderjähriger“ polizeilich angezeigt. 2008 waren es schon 373. Österreich gesamt: 504 Fälle vor zwei Jahren, 862 im Vorjahr.”

Großartige Argumentation. Zum einen sollte man die Zahlen schon in einen Kontext setzten, nämlich dass es in Österreich 5 Millionen Internetnutzern gibt. Und diese werden stetig mehr, was ein Ansteigen der Meldungen leicht erklären kann. Und dann die weiteren Zahlen, der alte, billige Trick nur die Anzeigen zu verwenden. Anzeigen sind aber in einem demokratischen Rechtsstaat (in dem es auch keine Zensur geben sollte) etwas ganz anders als Verurteilungen. Ist man angezeigt, gilt die Unschuldsvermutung. Ist man rechtskräftig verurteilt, wurde diese widerlegt. Außerdem kann jeder alles anzeigen, dafür braucht es genau keine vorangegangenen Untersuchungen oder Beweise die man mit der Anzeige einreicht.

Zum Abschluss nimmt der Artikel eine (nach dem vorangegangenen überraschende) Wende zur vernünftigeren Inhalten. Es wird nämlich darauf hingewiesen, das der Kampf gegen die Produzenten eigentlich auch sehr wichtig ist, und dass Internetsperren “die Täter – wenn überhaupt – nur indirekt” treffen.” Und weiter, und das gehört betont

Das Produzieren des menschenverachtenden Materials in irgendwelchen Hinterzimmern wird dadurch nicht gezielt vereitelt.

Tags: Bandion-Ortner, Harald Gremel, ISPA, Organisiertes Verbrechen, Provider