Artikel getaggt mit Internetsperren

Bandion-Ortner: Internetsperren, warum nicht!

Der heutige Internet-Summit der ISPA war wiedermal ein Augenöffner. Grund dafür, eine 15 minütige Rede der Klassenjustizministerin Bandion-Ortner zum Themenkomplex Internet, Urheberrecht und ähnliches. Neben vielen Platitüden, wie dass 200 Freunde auf Facebook, doch keine echten Freunde seien, ließ vor allem die Ankündigung aufhorchen, dass das deutsche Modell der DNS-/Internetsperren im Justizministerium interessiert, sympathisierend beobachtet wird. @MartinThuer von ATV gegenüber sagt Bandion sogar: “Internetsperren, warum nicht?”. Bandion-Ortner bezeichnete die Kinderpornoindustrie als kommerzielles Geschäft, obwohl dazu nach einer mehr als einjährigen Debatte in Deutschland immer noch kein Beweis erbracht wurde. Aber man muss etwas nur oft genug behaupten, dann wird es zumindest in den Köpfen der Menschen Realität.


Bandion-Ortner zum Thema Internetsperren auf ATV.at

Nicht zuletzt durch den Wahlerfolg von CDU/CSU in Deutschland haben also auch die Zensoren in Österreich wieder Oberwasser bekommen. Aber dass eine angeblich unabhängige Justizministerin, die sich offensichtlich nicht selbst im Netz bewegt, nur die Meinungen ihrer Mitarbeiter nachbetet, lässt nicht nur an ihrer Unabhängigkeit sondern auch an ihrer Grundintelligenz zweifeln.

Übrigens fast nebenbei kam die Ankündigung, dass die Vorratsdatenspeicherung ebenfalls umgesetzt werden müsse und das ist nicht nur in der Theorie schauderlich, sondern auch in der Praxis, wenn man sich überlegt, wie lässig Polizei und Justiz schon in der Vergangenheit mit unseren Daten umgingen. Dazu passt übrigens sehr schön eine Forderung des VÖZ, die zum Glück in den Medien wenig Beachtung fand. Darin fordert der VÖZ eine Speicherung der IP-Adressen aller Nutzer durch die Provider. Die Argumentation, wie man damit den eigenen Content schützen möchte bleibt der VÖZ dabei freilich schuldig. Denn wenn es darum ginge, Content-Piraten aufzustöbern nutz es gar nichts, die Daten der Konsumenten zu speichern. Da steckt also ganz etwas anderes dahinter, nämlich, dass man wohl in Zukunft nach deutschem Muster, den User abmahnen möchte.

Es wird also richtig eng in Österreich für das freie Netz. Nachdem der Kampf gegen den Terror zur Einschränkung unserer Bürgerrechte als Thema dann doch schon etwas abgelutscht ist, muss jetzt ein neuer Feind her, um sich wieder ein Stückchen unserer Freiheit zu krallen. Auf dem laufenden zum Thema kann übrigens auf internetsperren.at und bei der Piratenpartei bleiben.

Artikel gleichlautent erschienen im BäckBlog.

Tags: Bandion-Ortner, Internetsperren, Kinderpornoindustrie, ÖVP, VÖZ, Zensurandion

Video: RetteDeineFreiheit

Es gibt ein Followup-Video zu DuBistTerrorist. Dieses erklärt in gewohnt ruhiger und optisch überzeugender Weise, die von der deutschen Bundesregierung beschlossenen Internetsperren.

“RetteDeineFreiheit” ist eine Antwort auf die nicht nachvollziehbare Politik der Bundesregierung in Bezug auf die Internetsperren.

Entgegen allen Expertenmeinungen und der erfolgreichsten “Online-Petition” in der Geschichte von Deutschland mit über 132.000 Mitzeichnern, wird in Deutschland ein grundgesetzwidriges und dazu noch vollkommen sinnloses Gesetz verabschiedet.

Kritiker werden in der Diskussion diffamiert, haarsträubende und falsche Argumente gebetsmühlenartig wiederholt – von einer lebendigen und gesunden Demokratie keine Spur.   “Rette deine Freiheit” ist keine Parteienwerbung sondern genau wie “Du bist Terrorist”, ein von mir privat finanzierter und in meiner Freizeit erstellter Kurzfilm

RetteDeineFreiheit.de from alexanderlehmann on Vimeo.

Weitere Informationen gibt’s auf der Seite zum Film, im dazugehörigen Blog und auf Twitter.

Tags: Alexander Lehmann, DuBistTerrorist, Internetsperren, RetteDeineFreiheit, Video

hr2 DerTag zur Piratenpartei und Freiheit im Netz

Die Sendung DerTag des Hessischen Rundfunks hatte heute den Themenschwerpunkt Piratenpartei.
Dabei geht es nicht nur um die aktuelle Bewegung, die sich derzeit ueberall in Europa ausbreitet, sondern auch um deren inhaltliche Forderungen. Seien es, unter anderem, Datenschutz, freie Kommunikation oder auch ein freies Internet. Dieses Thema ist natürlich aktuell vor allem wegen dem Zugangserschwerungsgesetz in die Aufmerksamkeit gerückt. Dazu gibt es auch ein Interview mit Franziska Heine, die die ePetition gegen Internetsperren in Deutschland eingebracht hat.

Yo?ho und ne Buddel voll Bits ? die Piratenpartei nimmt Fahrt auf
Beschreibung: Der Angriff könnte die Parteienlandschaft verändern. Im Europaparlament sitzt die ?Piratenpartei? schon, jetzt wollen die digitalen Freibeuter auch in den Bundestag einziehen. Ihr erster Abgeordneter ist schon da, übergelaufen von der SPD. ?Freiheit im Netz? fordern die überwiegend jungen Parteimitglieder, kritisch beäugt von den mit dem Internet weniger vertrauten Älteren. Aber vielleicht werden die Piraten am Ende beweisen: die Jugend ist nicht so unpolitisch, wie oft behauptet, um sie als Wähler zu gewinnen, muss man nur die richtigen Ziele propagieren. Steht Deutschland vor einem Sechs-Parteien-System?

[direktlink | .mp3/52:43min/24,2mb]

Tags: Franziska Heine, hr2 DerTag, Internetsperren, Piratenpartei, Podcast

Irans Internetzensur

Der Standard” berichtet darüber, dass die Zensurinfrastruktur des Iran wesentlich von Nokia Siemens Network (ein Joint Venture der beiden namensgebenden Konzerne) errichtet worden sei. Vom Versush der Konzerne sich da rauszuwinden abgesehen, ist der erste Absatz sehr wichtig:

Die Installation von Internet-Überwachung und Filter-Technologien wird gerne damit gerechtfertigt, dass sie ja “nur” zum Schutz vor kriminellen Auswüchsen der Gesellschaft gedacht sei, die breite Masse entsprechend nichts zu befürchten habe. Eine Argumentation, die einen nicht zu unterschätzenden Haken hat: Die Definition der Frage, was “kriminell” ist, obliegt den jeweiligen MachthaberInnen, einmal installiert gibt sie auch autoritären Regimen massive Möglichkeiten zur Unterdrückung der demokratischen Opposition an die Hand.

Exakt! Selbst wenn die Zensurinfrastruktur von der besten und vertrauenswürdigsten Regierung aller Zeiten errichtet würde, bei der man 100%ig sicher sein könnte, dass sie sie ausschließlich “widmungsgemäß” verwendet – wer garantiert dass das die darauffolgende Regierung auch macht? Irgendwann kommen potentiell gefährliche Menschen an die Macht, und da sollte ein stabiles System vorhanden sein, dem sie wenig Schaden zufügen können, und nicht eine Infrastruktur um Kritiker anzugehen.

Tags: Demokratie, Internetsperren, Iran

Internetsperren im FORMAT diskutiert

Ich habe einen Fehler gemacht, und dem FORMAT unterstellt, nur die pro Internetsperren Position von Harald Gremel, BKA, zu drucken. Tatsächlich gibt es aber vier Beiträge zu dem Thema (die restlichen drei habe ich damals leider nicht gefunden), wie ich heute via Twitter bei Corinna Milborn gelesen habe.

Im FORMAT finden sich neben dem bereits erwähnten, jenseitigen, Kommentar von H. Gremel auch zwei kritische, nämlich einmal der von Sascha Lobo mit dem Titel “Sperrung bedeutet nicht löschen, sondern ein virtuelles Stoppschild davorzuhängen” der mit der schönen Frage beginnt, wie man mit einem brennenden Haus umgehen würde. Der zweite kritische Beitrag stammt von Andreas Wildberger (ISPA – Internet Service Providers Austria) und trägt den Titel “Zugangssperren einzurichten bedeutet, ein Melanom mit Make-up abzudecken“.

Außerdem beschrieb noch die zuletzt hier thematisierte österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner unter dem Titel “Die Rechtslage ist eindeutig un­zureichend, es gibt noch zahlreiche offene Fragen” ihre nebulöse Position, ohne wirklich etwas klar zu stellen.

Tags: Bandion-Ortner, bka, Harald Gremel, Internetsperren, ISPA, Medien