Justizministerin Bandion-Ortner ist gegen Netzsperren

Via Twitter (Dank an agnostic900rr und POLILOG) verbreitete sich eben ein Bericht der Futurezone wonach die österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner eine Gegnerin von Internetsperren ist.

Zugangssperren seien ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in grundsätzlich geschützte Rechtspositionen wie der Privatsphäre und dem Recht zur Freiheit zum Empfang von Meinungen, so die Justizministerin bei ihrer Keynote-Adresse vor Proponenten der vom Verband der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI Austria) und dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) unterstützten Plattform.

Das dürfte die erwähnten Gastgeber weniger gefreut haben. Auch wenn das eine gute Nachricht ist (die Justizministerin hält etwas auf Grundrechte) darf man aber nicht vergessen, dass Sperren oft nicht wegen Urheberrechtsverletzungen eingeführt werden (wie in Frankreich), sondern wie in Deutschland über das wesentlich zugkräftigere Thema “Kinderschutz” bzw. “Kampf gegen die Kinderpornographie”.

Dieser Zugang ist letztlich auch im Interesse von Musikindustrie und Co, wenn sie auf Minister wie Bandion-Ortner treffen, die ihnen nicht einfach die Wünsche von den Lippen ablesen. Denn eine Ministerin die sich “pro Kinderpornographie” (es gibt ja immer wieder die Idee, Gegner von Internetsperren so darzustellen) stellt, ist sie möglicherweise schnell ihr Amt los (weil sie eine Belastung für die Partei bzw. Regierung wird, wenn der Plan aufgeht), oder zumindest jedes Mitspracherecht in der Causa. Oder die Ministerien überdenken ihren Standpunkt unter dem Druck der öffentlichen Meinung.

Ich möchte hier keine dunklen Szenarien malen um die Existenz dieser Seite zu rechtfertigen, aber ich denke, dass man das im Hinterkopf behalten sollte, auch wenn die Klarstellung von Bandion-Ortner grundsätzlich sehr erfreulich ist.

Tags: Bandion-Ortner, Urheberrecht

CRE124: “Kampf gegen Zensursula”

Die Ausgabe 124 des Chaosradio Express beschäftigt sich nochmal in aller Ausführlichkeit mit dem Thema Internetsperren. Schwerpunkte des Podcasts sind unter anderem: Zensursula, die Wirksamkeit von Internetsperren, die Entwicklungen der letzten Wochen, die Medienberichterstattung und wie es die Netzgemeinde geschafft hat, ihr Anliegen aus dem Internet rauszutragen.

Durch die Sendung moderiert wie gewohnt Tim Pritlove, Interviewpartner ist Frank Walther vom scusiblog:

Im Gespräch mit Tim Pritlove erläutert Florian “scusi” Walther die Hintergründe seines eigenen Engagements und welche anderen Aktivisten und Ereignisse die politische Agenda bisher beeinflussten. Dazu wird ein Blick auf die bisherigen Erkenntnisse gerichtet, wie sich der sogenannte “Markt” der sog. “Kinderpornographie” tatsächlich darstellt und warum der Begriff selbst mehr als irreführend ist,

Weitere Themen: Realitäten und Scheinrealitäten im Bereich der “Kinderpornographie”, Inhalte und Strutur der Sperrlisten in anderen Ländern, warum Banken Phishing-Websites problemlos und schnell abgeschaltet bekommen, Realitäten von Hausdurchsuchungen, Wikileaks, wie KiPo-Angebote technisch realisiert werden und die Mobilisierung der Szene.

zur Sendung: CRE124: Kampf gegen Zensursula
[direktlink | .mp3/148:14min/102mb]

Tags: Chaosradio Express, CRE124, Frank Walther, Internetsperren, KiPo, Podcast, scusiblog, Tim Pritlove, Zensursula

Mail an NR-Abgeordnete – Die Antwortquote ist schlecht

Am 19. Mai habe ich an Abgeordnete aller im Parlament vertretenen Parteien eine kurze E-Mail mit der Bitte, ihre Position, bzw. die ihrer Partei, zum Thema Internetsperren darzulegen (die meisten ÖVP-Abgeordneten bekamen meine Nachricht wegen eines Problemes mit deren Spamfilter erst am 24. Mai). Ich hatte nicht damit gerechnet, dass alle Abgeordneten antworten, auch nicht, das ich die Antworten besonders schnell erhalten würde. Aber das die Antwortquote so schlecht aussehen wird, hatte ich mir nicht gedacht. Im folgenden ein kurzer Überblick, nach Parteien geordnet:

SPÖ
Die Sozialdemokraten sind die einzige Parte von der ich keine Antwort bekommen habe. Da ich als SPÖ-Mitglied “meinen” Abgeordneten ein paar mal im Jahr schreibe, und eigentlich immer eine Antwort bekommen habe, halte ich es für möglich, dass die Mails in einem Filter hängen geblieben sind, aber ich, anders als bei den ÖVP-Mails, keine automatisierte Fehlermeldung bekommen habe. Werde dem daher nochmals nachgehen.

ÖVP
Wie gesagt, 5 Tage Guthaben im Vergleich zu allen anderen Parteien. Karin Hakl hat aber bereits kurz nachdem ich die Mails ausgeschickt hatte, geantwortet (siehe hier). Von den übrigen Abgeordneten habe ich noch keine Antwort erhalten.

FPÖ
Von HC Strache erhielt ich eine automatisierte Empfangsbestätigung, Harald Stefan hat als bisher einziger Abgeordneter geantwortet (siehe hier).

BZÖ
Das BZÖ hat mit zwei Abgeordneten die meisten Antworten übermittelt. Rainer Widmann (hier) und Stefan Petzner (hier) haben zurückgeschrieben.

Grüne
Von denen Grünen liegt eine Antwort vor, nämlich die von Albert Steinhauser (siehe hier).

Nun kann für diese niedrige Antwortquote selbstverständlich auch ins Treffen geführt werden, dass seit 19. Mai einerseits zwei “verlängerte” Wochenenden waren (inklusive dem jetzigen Pfingswochenende) und andererseits sehr viele Plenartage (und die wohl doch recht intensive Budget-Debatte) einfach dazu führen, dass die Antworten etwas länger ausbleiben. Auch möglich ist die Erklärung, das einige Abgeordnete mit der Materie schlicht nichts anfangen können, und nicht wissen, was sie zurückschreiben sollten. Oder sie wollen warten ob die Diskussion überhaupt “richtig” nach Österreich kommt und wie sich ihre Parteien dann positionieren; zwischen Zensur und Kinderpornographie populär zu manövrieren, klingt auf den ersten Blick ja recht schwierige (obwohl es eigentlich ja nur die Frage Zensur oder keine Zensur ist, den Kinderpornographen tut man damit ja nichts).

Ich hoffe jedenfalls das noch einige Antworten einlangen (vielleicht nach Pfingsten) und werde diese dann selbstverständlich sofort bloggen.

Tags: Abgeordnetenmail, BZÖ, FPÖ, Grüne, ÖVP, SPÖ

Reaktionen der österreichischen Blogsphäre

Aus Neugierde habe ich eben Mal nach Reaktionen auf den versuchten Import der Debatte um Internetsperren, speziell in österreichischen Blogs, gesucht (bei Twingly, Technorati und Google Blogsearch). Und da dachte ich mir, wieso nicht eine kleine Liste machen?

Webwork.onblog.at informierte gleich am 8. Mai über den Initiativantrag im oberösterreichischen Landtag, ebenso Aarons b-blog, der gleich die zentralen Kritikpunkte mitlieferte. Zwei tage später berichtete straightrazorguy darüber, dass die oö Landesregierung sich dafür entschied, “es doch den Deutschen nachzumachen und den selben Schwachsinn bei uns aufzuziehen”. Am selben Tag berichtete auch The Flowers Are Gone über den aktuellen Stand der Dinge. Georg Holzer kritisierte die Politik in seiner Liste der Top 5 der analogen Dinosaurier und Fladi.at listete alle Landtagsabgeordneten die den Antrag unterschrieben hatten auf.

Am 15. Mai brachte ich dann “Internetsperren in Österreich” online. Tags darauf verbreitete Wissen belastet das hervorragende Argumentarium von Michael Eisenriegler und Gerald Bäck schrieb über die Kinderporno-Falle. JUKreiz berichtete ebenfalls über das Thema (und über diese Seite, was mich besonders freute :) ). Kurz danach brachte die österreichische Piratenpartei ihr Informationsportal “Internetzensur in Österreich” online, dass ich dann auch gleich als Feed in die Sidebar integriert habe.

Die bisher letzte Entwicklung war, dass sich die Grünen ganz offiziell von Internetsperren distanzierten, wie der Wiener Gemeinderat Marco Schreuder und straightrazorguy berichteten.

Hab ich Reaktionen, Initiativen, Proteste übersehen oder nicht gefunden? Vielleicht gibt es aber auch einfach (noch) nicht so viele Reaktionen, da das Thema ja doch nur im Vorfeld der Landtagswahlen in OÖ angegangen und bundespolitisch ignoriert wurde. Da herrscht momentan die EU-Wahl vor. Aber danach könnte es mit dem Thema Internetsperren vielleicht losgehen…

Tags: Blogsphäre, Web 2.0

G-8-Staaten wollen Kontrolle

Die G-8-Staaten (Deutschland, USA, Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Italien sowie Russland ) haben ihre Innen- und Justizminister auf ein Treffen geschickt. Dort haben sich diese selbstverständlich dem GSaZ (Größtes Sicherheitsproblem aller Zeiten) angenommen, dem Internet, berichtet die Futurezone.

Sie werden jetzt nämlich “schwarze Listen für Kinderporno-Websites” führen. Buhu. Listen. Die haben sich bisher als so überaus effektiv erwiesen. Vor allem aber, was passiert mit Seiten die auf diesen Listen landen? Werden die gelöscht? Oder doch, weils irgendwie einfacher ist und auch gut klingt, eben mal gesperrt? u

Außerdem will man stärkere Kontrollen von sozialen Netzwerken wie Facebook, da diese angeblich überaus attraktiv für Terroristen und das organisierte Verbrechen seien. Wieso? Vielleicht ist das naiv und blöd, aber wieso? Als Kommunikationsplattform werden sie es kaum nützen, zur Rekrutierung (Du hast Post: “Möchtest du Mitglied der Al Kaida werden?”) sind sie auch nicht geeignet und Propaganda betreiben die angesprochenen eigentlich nicht, vielleicht einige terroristische Vereinigungen, aber welches soziale Netzwerk in der Einflusssphäre der G-8-Staaten würde den Gruppen der Art “Tod allen Ungläubigen” existieren lassen?

Im Übrigen ist es wieder mal typisch, dass wenn es darum geht irgendwelche einschränkenden Maßnahmen zu begründen, genau kein Grund außer der Verweis auf die völlig nebulösen Wörter “Terrorismus” und “das organisierte Verbrechen” gegeben werden kann…

Tags: Facebook, Organisiertes Verbrechen, Soziale Netzwerke, Terrorismus