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Mails an Abgeordnete: Tag 6

Atemberaubend schnell (siehe auch ihren Kommentar) antwortete Karin Hakl von der ÖVP:

Als u.a. für Technologie und Internet (mit-)zuständige ÖVP-Abgeordnete sind
mir die Herausforderungen betreffend die sogenannten “Internetsperren”
bekannt.

Von der grundlegenden Besorgnis der Community betreffend eine “Zensur” des
Internet, die sicherlich keiner haben will, abgesehen, wirft der sicher auch
aus Ihrer Sicht nachvollziehbare Wunsch, den Zugriff auf
Kinderpornographie-Seiten zu verhindern, zahlreiche Fragen auf:

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, stellen derartige Sperren einen eher einfach
zu umgehenden Schutz vor dem Zugriff auf einschlägige Seiten dar, zumal sich
einschlägige user in ebenso einschlägigen Kanälen bewegen, auf die ohnehin
nur selten “einfach so” zugegriffen werden kann.

Gleichzeitig ist der Schutz von Kindern eine unserer wichtigsten Aufgaben
und sicherlich auch in Ihrem Sinne.

Umso dankenswerter sind beispielsweise die freiwilligen und wirkungsvollen
Initiativen “stopline” (www.stopline.at) der ISPA (www.ispa.at, Vereinigung
der Österreichischen Internet Service Provider) oder des CERT (www.cert.at,
Computer Emergency Response Team Austria), die in intensivem Kontakt mit der
nationalen Polizei und in enger internationaler Vernetzung mit anderen
ebensolchen Teams und CSIRTs (Computer Security Incident Response Teams)
Empfehlungen für Internet-Service-Provider herausgeben, sobald entsprechende
Seiten auftauchen. So ist es in der Vergangenheit mehrfach gelungen, auch
Kinderpornographie-Inhalte, die sich fast ausschließlich auf Servern im
Ausland und dadurch außerhalb der österreichischen Rechtssphäre befinden,
auch dort gänzlich vom Netz bzw. den Servern zu nehmen.

Wir sind uns auch der Schwierigkeit der Beurteilung einer Grenzziehung
zwischen “normalen” pornographischen Inhalten (Wie alt ist zB eine Frau
wirklich?) und zu Recht schwer zu ahndender Kinderpornographie bewusst.

Weiters liegt es der ÖVP am Herzen, dass die derzeit 513 österreichischen
Internet-Service-Provider, vorwiegend kleine Unternehmen, nicht mit
überbordender Bürokratie und Arbeitserschwernissen belastet werden.

Die aus Frankreich stammende Forderung, der in der EU weitestgehend nicht
gefolgt wurde und wird, auch Urheberrechtsverletzungen durch Internetsperren
zu verhindern, erscheint angesichts des Umstandes, dass die meisten dieser
Verletzungen nicht vorsätzlich erfolgen, weit überzogen und wird von der ÖVP
nicht mitgetragen.

Das wesentlich wichtigere Schutzgut “Kind” macht jedoch eine intensivere
Beschäftigung mit den Möglichkeiten und Grenzen rechtlicher Regelungen im
Internet notwendig.

Wir erwägen derzeit sehr sorgfältig alle diese (und noch mehr…) Fragen in
enger Abstimmung u.a. mit unseren Sicherheitsbehörden, der ISPA, CERT und
Stopline, um ausgewogene, angemessene und wirksame Maßnahmen zum Schutz der
Kinder vorsehen zu können.

In diesem Sinne freue ich mich, dass Sie sich an diesem Dialog, zu dem ich
die Community herzlich einlade, beteiligen.

Ebenfalls heute ging die Antwort von Rainer Widmann vom BZÖ ein:

Das BZÖ hat sich seit seinem Bestehen massiv für eine Strafverschärfung im Sexualstrafrecht und die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz unserer Kinder vor sexuellem Missbrauch engagiert. Dies umfasst selbstverständlich auch die wirksame Bekämpfung der Kinderpornographie. In diesem Sinne sind grundsätzlich sämtliche Instrumentarien zu nützen, die geeignet sind die Verbreitung von kinderpornographischen Darstellungen im Internet zu unterbinden, die Urheber und Konsumenten dieser abscheulichen Machwerke auszuforschen und somit deren strafrechtliche Verfolgung zu ermöglichen.

In Zusammenhang mit der diskutierten Einführung von Internetsperren gegen Kinderpornographie ist allerdings zu hinterfragen, ob diese tatsächlich als effektive Maßnahme zur Eindämmung dieses Problems betrachtet werden können, da diese mit verhältnismäßig geringem Aufwand umgangen werden können. Weiters wird es kaum möglich sein „Szene-Insider“, die sich spezieller Plattformen bedienen um miteinender in Kontakt zu treten, durch diese Sperren von ihren Machenschaften abzuhalten. In diesem Sinne erscheint es grundsätzlich sinnvoller, die meist auf internationaler Ebene operierenden Kinderpornoringe mittels grenzüberschreitend koordinierten Polizeiaktionen auszuheben und den mit dieser Thematik befassten nationalen Behörden mehr an Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Um die Effizienz der Internetsperren gegen Kinderpornographie abschließend beurteilen zu können wäre es somit ratsam die Entwicklung in Deutschland, wo diese demnächst umgesetzt werden sollen, zu beobachten und auf Grundlage der so gewonnen Daten die Sinnhaftigkeit dieses Instrumentariums erneut zu evaluieren.

Das war nur ein schnelles Update da ich nicht an meinem Computer bin. Damit hat, obwohl zeitlich benachteiligt, die ÖVP bereits reagiert, von SPÖ und FPÖ kam bisher leider noch nichts.

Tags: Abgeordnetenmail, BZÖ, ÖVP

Mails an Abgeordnete: Tag 5

Eben ging die zweite Antwort ein. Sie stammt von Stefan Petzer (BZÖ):

ich für meinen teil halte internetsperren für kinderpornografische webseiten als sinnvoll, weil ich darin die einzige möglichkeit in den unkontrollierbaren weiten des internets kinder zu schützen.
selbstverständlich dürfen internetsperren aber keinesfalls dazu führen, dass die freiheit des internets eingeschränkt wird. wie bei so vielem handelt es sich auch hier um eine gradwanderung.

Zu den ÖVP-Abgeordneten. Wie im ersten Zwischenbericht beschrieben, haben sechs der sieben Angeschriebenen meine E-Mail nicht erhalten, da sie anscheinend im Spam-Filter (wegen pornographischer Begriffe) hängen blieb (danke Gerhard Loub für die Aufklärung). Ich bin erst heute dazu gekommen, die umformulierte Mail auszuschicken. Soviel zur Ehrrettung, falls sie als letzte antworten…

Tags: Abgeordnetenmail, BZÖ, ÖVP

Mails an Abgeordnete: Tag 1

Hier nun mein erster Zwischenrericht, einen Tag nachdem ich Abgeordnete aller Parlamentsparteien zum Thema “Internetsperren (gegen Kinderpornographie?)” angeschrieben habe. Zuerst kurz Kritik an der Benutzbarkeit der ÖVP-Klub-Website, den diese listet als einzige ihre Bereichssprecher auf, ohne gleich Kontaktmöglichkeiten anzugeben, so muss man sich das zusammen suchen. Bei allen anderen Parteien ist der Name gleich klickbar.

Die Abgeordneten Gabriele Binder-Maier (SPÖ), Karl-Heinz Kopf (ÖVP), Günther Kössl (ÖVP), Karin Hakl (ÖVP), Ridi Steibl (ÖVP) und Heribert Donnerhauser (ÖVP) (Korrektur vom 25. Mai, er doch, da er eine Parlaments-Mail-Adresse verwendet) haben meine E-Mail nicht erhalten, ich habe eine Fehlermeldung zurück bekommen. Bei Ewald Stalder (BZÖ) bekam ich eine fast unleserliche Warnung dass meine Nachricht an eine GMX-Adresse weitergeleitet wurde (wird wohl der Bearbeitung dienen, hätte man aber sicher weniger verwirrend machen können). Von der E-Mail-Adresse von HC Strache (FPÖ) dagegen bekam ich eine automatisierte Empfangsbestätigung (danke, wir bekommen viel Post, kann daher dauern, Bitte um Verständnis), was ich ganz nett finde.

Aber ich habe auch schon eine Antwort bekommen. Der Grüne Abgeordnete Albert Steinhauser hat innerhalb von 24 Stunden geantwortet, was ich beachtlich finde, wenn man bedenkt dass Plenartage waren. Seine Antwort hier nun im Wortlaut:

Kinderpornographie im Netz ist tatsächlich ein erhebliches Problem. Die Verbreitungsmöglichkeit durch das Internet hat zugenommen. Das darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Im Sinne des präventiven Opferschutzes gilt es den Markt trocken zu legen. Bei der Bekämpfung der Kinderpornographie sind daher Maßnahme und Wirksamkeit zu prüfen. Niemand will wirkungslose Zensurinstrumentarien, quasi als Placebo leichtfertig einführen. ExpertInnen sagen, dass Internetsperren leicht zu umgehen sind. Wenn das stimmt, sind sie für mich kein taugliches Mittel zur Bekämpfung der Kinderpornographie.

Tags: Abgeordnetenmail, BZÖ, FPÖ, Grüne, ÖVP, SPÖ

Mails an die Parlamentsparteien

Ich habe eben an die Abgeordnete aller fünf Parlamentsparteien (Grüne, BZÖ, FPÖ, ÖVP und SPÖ), genauer gesagt an Bereichssprecher bzw. Ausschussmitglieder aus relevanten Gebieten (Justiz, Menschenrechte, Inneres, Familie, Medien) E-Mails verschickt. Darin enthalten die Bitte, darzulegen wie sie persönlich und ihre jeweilige Partei zum Thema “Internetsperren” bzw. “Internetsperren gegen Kinderpornographie” stehen. Selbstverständlich habe ich darum gebeten, die Antworten hier (vollständig und unverändert, eh klar) veröffentlichen zu dürfen. Wenn was zurückkommt, wird darüber berichtet.

Tags: Abgeordnetenmail, BZÖ, FPÖ, Grüne, ÖVP, SPÖ

Grüne gegen Internetsperren

Obwohl für die oberösterreichischen Grünen drei Abgeordnete zum Landtag den Initiativantrag pro Internetsperren (gegen Kinderpornographie) unterschrieben haben, gibt es von dort auch kritische Stimmen.

Severin Mayr, Gemeinderat in Linz und Edith Schmied, Landessprecherin der Grünen Andersrum OÖ, distanzieren sich in ihren Blogs von der Zustimmung “ihrer” Landtagsabgeordneten und greifen gute Argumente gegen Internetsperren auf.

(via andreame)

Tags: Grüne