Archiv der Kategorie Österreich

DE: Petition wird ein Erfolg, Internetsperren kommen

Während der Server des deutschen Bundestages wieder einmal Probleme macht steht die ePetition gegen Internetsperren kurz davor, die erfolgreichste ePetition bisher zu werden (knapp 24 Stunden vor Ende fehlen nur noch knapp 400 Unterzeichner). Wird dieses Ziel erreicht, haben mehr Deutsche gegen Zensur des Internets unterschrieben, als 2008 für eine Halbierung der Kraftstoffbesteuerung zu mobilisieren waren.

Doch davon unbeeindruckt, bemüht sich die SPD die Hoffnungen die einige vor dem SPD-Bundesparteitag hatten, lächerlich zu machen, und hat sich mit der CDU auf ein Gesetz geeinigt. Damit ist es wohl fix. Die Große Koalition öffnet die Büchse der Pandora und schafft den Einstieg in Internetzensur in Deutschland!

Dies ist auch ein beunruhigendes Signal für Österreich. Traditionell finden europäische Entwicklungen verzögert auch in Österreich statt. Gerade wenn in Deutschland dieselbe Regierungskoalition wie Österreich sie hat, ein populistisch leicht zu vermarktenden Gesetz mit Unterstützung der größten Zeitung des Landes, die sich nie um Fakten schert und gern Kampagnen fährt, einführt, klingt das beängstigend nahe.

Tags: CDU, ePetition, ÖVP, SPD, SPÖ, Zensurusla

Österreichs BKA weiß mehr als die deutsche Regierung

Leyrers Online Pamphlet hat knapp und gut herausgearbeitet, dass das österreichische BKA mit seinem Wissen um die “Kinderpornoindustrie” der deutschen Regierung weit voraus ist. Den während diese nun zugeben musste, “über keine detaillierte Einschätzung des kommerziellen Marktes für Kinderpornographie in Deutschland” zu verfügen (unbedingt durchlesen, worüber die dt. Regierung noch alles nichts weiß), weiß BKA-Ermittler Harald Gremel dass heute “eine Suchmaschine und eine Kreditkarte aus, um in die virtuellen Hinterzimmer zu gelangen”, wie er im FORMAT berichtet. Ich nehme an, ein Ersuchen um Hilfe wird demnächst aus Deutschland beim BKA eingehen.

Tags: bka, Harald Gremel, Kinderpornoindustrie

Nachtrag: Bandion-Ortner für Internetsperren?

Anfang Juni sprach sich die österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (parteilos, von der ÖVP eingesetzt) gegen Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen aus. Schon damals hatte ich, ob der Einschränkung, Zweifel, ob sie generell für eine unzensiertes Web sei, oder bloß bei diesem Thema, während sie dem Thema “Kinderpornographie” nicht widerstehen könnte (es populistisch als hart durchgreifend auszuschlachten).

Nun bringt möglicherweise ein älterer Artikel des “Kurier”, den ich bisher nicht kannte, Aufklärung. Unter der fragenden Überschrift “Kommt Sperre für Kinderporno-Seiten?” berichtet der “Kurier”, dass Bandion-Ortner meint, dass wenn “es weniger Konsumenten gibt, [...] es auch weniger Produzenten geben” wird. Daher fände sie es ideal, “wenn man keinen Zugriff mehr auf diese Seiten hätte”. Außerdem stand damals ein Treffen mit ihrer deutschen Amtskollegin Brigitte Zypries (SPD) an. Die SPD ist ja, was Internetsperren angeht, zumindest etwas vorsichtiger als die CDU und sieht zumindest noch einige Fragen als ungeklärt an. Vielleicht hat Zypries ja bei Bandion-Ortner Zweifel gesät?

Der Artikel stammt vom 28. März 2009, als auch die deutsche Diskussion noch jünger war. Die Argumente gegen Internetsperren, waren andererseits auch damals schon bekannt.

Tags: Bandion-Ortner, Kindpornographie, Urheberrecht

Internetsperren: Diskussion in Österreich angekommen

Eben frag ich mich noch ob die Diskussion wohl überhaupt nach Österreich kommen wird, da weißt mich Marco Schreuder darauf hin, dass sie wohl endgültig da ist. Die “Presse” berichtet heute in einem ganzseitigen Artikel im Österreichteil über das Thema “Kinderpornos: ‘Internet sperren’” (Überschrift in der Printausgabe, online heißt der Artikel “Kinderpornos: Streit um Internetsperren“). Willkommen in der deutschen Diskussion!

Für die “Presse” wurde die Diskussion durch die am 1. Juni in Kraft getretene Verschärfung des Sexualstrafrechts ausgelöst (nicht mehr nur der Download, auch das bewusste ansteuern und online anschauen ist nun strafbar). Die, laut “Presse”, einfach klingende Lösung “diese Seiten eben vom Netz” zu nehmen, sei “in der Praxis umkämpft. Und problematisch.” Das wird mit einem Rückgriff auf die hier bereits kritisierten Aussagen von Harald Gremel (Internetermittler der Meldestelle für Kinderpornographie im BKA) argumentiert, nämlich dass “die Server (Zentralrechner), die die Bilder liefern, [...] sich aber im Ausland [befinden]“. Und dann wird sogar noch erwähnt, dass es sich dabei etwa um die USA, Russland und Spanien handelt. Drei demokratische (mehr oder weniger, aber das ist nicht des Pudels Kern) Ländern in denen Kinderpornographie verboten ist.

Auch die Kritik von Andreas Wildberger, dem Generalsekretär der Internet Service Provider Austria (ISPA), der auf die leichte Umgehbarkeit dieser Sperren hinweist, vor allem aber vor dem salonfähig machen von Zensur warnt, beeindruckt Gremel, zumindest laut “Presse”, nicht:

„Webfiltering ist mit Sicherheit sinnvoll. Die Provider sind dagegen, weil es was kostet, weil sie einen Aufwand hätten, sie müssten Filter einbauen.“ Seine Forderung: „Ja“ zu Sperren von Kinderpornoseiten.
Nachsatz: „In Deutschland funktioniert es.“

Erstaunlich, wie nach monatelanger deutscher Diskussion, die wirklich alles was Harald Gremel behauptet bzw. als Argument anführt, wiederlegt oder entkräftet hat, das einfach so daherkommen kann.

Bis hierher hat die “Presse” im wesentlichen die Aussagen von Harald Gremel und Andreas Wildberger gegenübergestellt. Jetzt kommt aber der Teil des Artikels, wo neues ergänzt wird. Nämlich dass “auch in Österreich Handlungsbedarf herrscht [Anm: Was niemand in Abrede stellt. Jeder "Kinderporno" ist einer zuviel]” was mit Zahlen untermauert wird: “Langten im Jahr 2007 exakt 3698 Hinweise bei der Meldestelle für Internet-Kinderpornografie ein, so waren es im Vorjahr bereits 5238. Allein in Wien wurden 2007 163 Fälle von „Pornografischen Darstellungen Minderjähriger“ polizeilich angezeigt. 2008 waren es schon 373. Österreich gesamt: 504 Fälle vor zwei Jahren, 862 im Vorjahr.”

Großartige Argumentation. Zum einen sollte man die Zahlen schon in einen Kontext setzten, nämlich dass es in Österreich 5 Millionen Internetnutzern gibt. Und diese werden stetig mehr, was ein Ansteigen der Meldungen leicht erklären kann. Und dann die weiteren Zahlen, der alte, billige Trick nur die Anzeigen zu verwenden. Anzeigen sind aber in einem demokratischen Rechtsstaat (in dem es auch keine Zensur geben sollte) etwas ganz anders als Verurteilungen. Ist man angezeigt, gilt die Unschuldsvermutung. Ist man rechtskräftig verurteilt, wurde diese widerlegt. Außerdem kann jeder alles anzeigen, dafür braucht es genau keine vorangegangenen Untersuchungen oder Beweise die man mit der Anzeige einreicht.

Zum Abschluss nimmt der Artikel eine (nach dem vorangegangenen überraschende) Wende zur vernünftigeren Inhalten. Es wird nämlich darauf hingewiesen, das der Kampf gegen die Produzenten eigentlich auch sehr wichtig ist, und dass Internetsperren “die Täter – wenn überhaupt – nur indirekt” treffen.” Und weiter, und das gehört betont

Das Produzieren des menschenverachtenden Materials in irgendwelchen Hinterzimmern wird dadurch nicht gezielt vereitelt.

Tags: Bandion-Ortner, Harald Gremel, ISPA, Organisiertes Verbrechen, Provider

Justizministerin Bandion-Ortner ist gegen Netzsperren

Via Twitter (Dank an agnostic900rr und POLILOG) verbreitete sich eben ein Bericht der Futurezone wonach die österreichische Justizministerin Claudia Bandion-Ortner eine Gegnerin von Internetsperren ist.

Zugangssperren seien ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in grundsätzlich geschützte Rechtspositionen wie der Privatsphäre und dem Recht zur Freiheit zum Empfang von Meinungen, so die Justizministerin bei ihrer Keynote-Adresse vor Proponenten der vom Verband der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI Austria) und dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) unterstützten Plattform.

Das dürfte die erwähnten Gastgeber weniger gefreut haben. Auch wenn das eine gute Nachricht ist (die Justizministerin hält etwas auf Grundrechte) darf man aber nicht vergessen, dass Sperren oft nicht wegen Urheberrechtsverletzungen eingeführt werden (wie in Frankreich), sondern wie in Deutschland über das wesentlich zugkräftigere Thema “Kinderschutz” bzw. “Kampf gegen die Kinderpornographie”.

Dieser Zugang ist letztlich auch im Interesse von Musikindustrie und Co, wenn sie auf Minister wie Bandion-Ortner treffen, die ihnen nicht einfach die Wünsche von den Lippen ablesen. Denn eine Ministerin die sich “pro Kinderpornographie” (es gibt ja immer wieder die Idee, Gegner von Internetsperren so darzustellen) stellt, ist sie möglicherweise schnell ihr Amt los (weil sie eine Belastung für die Partei bzw. Regierung wird, wenn der Plan aufgeht), oder zumindest jedes Mitspracherecht in der Causa. Oder die Ministerien überdenken ihren Standpunkt unter dem Druck der öffentlichen Meinung.

Ich möchte hier keine dunklen Szenarien malen um die Existenz dieser Seite zu rechtfertigen, aber ich denke, dass man das im Hinterkopf behalten sollte, auch wenn die Klarstellung von Bandion-Ortner grundsätzlich sehr erfreulich ist.

Tags: Bandion-Ortner, Urheberrecht