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Ab 2010 dreht Frankreich das Internet ab

Zumindest denjenigen, die Urheberrechte verletzten. Oder die einen Anschluss besitzen, über den jemand Urheberrechte verletzt. Und natürlich alle, für die sich irgendwie Indizien konstruieren lassen, dass sie Urheberrechte verletzten. Wie das?

Das französische Verfassungsgericht hat “HADOPI 2″, das Sperrgesetzt der Regierung Sarkozy, bis auf eine relativ unbedeutende Ausnahme, bestätigt (die Sozialisten hatten es vors Gericht gebracht). Jetzt könnte man meinen, dass mit diesem Gesetz Personen die Urheberrechte verletzten, vor Gericht kommen. Nicht unbedingt. Den im Schnellverfahren entscheidet ein Richter, ohne Anhörung der Betroffenen, aufgrund der von den Rechteinhabern vorgelegten Beweisen. Toll, diese Gleichheit aller vor dem Recht…

Tags: Organisiertes Verbrechen, Urheberrecht

Sperrvorreiter Frankreich

Unlängst wurden in Frankreich Internetsperren eingeführt, mit denen sich nun erneut das Verfassungsgericht befassen muss. Dieses hatte den ersten Versuch abgelehnt, da dieser Sperren ohne richterlichen Beschluss bedeutet hätte, was verfassungswidrig ist.

Ungeachtet dessen plant die französische Regierung bereits eine Ausweitung der Sperren. Diese Woche soll in der Nationalversammlung ein Gesetz zur Regulierung des Online-Glücksspiels debattiert werden. Dieses sieht vor, dass eine neue Behörde zur Überwachung der Glücksspielanbieter eingerichtet wird, die ohne richterlichen Beschluss Websites sperren darf.

Die futurezone berichtet.

Tags: Glücksspiel, Richtervorbehalt

Wie die EU die Zukunft des Internets plant

Und gleich noch eine Empfehlung der futurezone: Ein Interview mit Rudolf Strohmeier, Kabinettschef von EU-Medienkommissarin Viviane Reding, in dem dieser unter anderem über Netzsperren und Netzneutralität spricht. Hier gehts lang…

Tags: EU, Netzneutralität

F:Sozialdemokraten gegen Netzsperren

Nachdem die erste Version des französischen Netzsperr-Gesetztes HADOPI von den französischen Verfassungshütern verhindert wurde, nimmt die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy nun einen zweiten Anlauf. Heute hat die französische Nationalversammlung die Beratungen über das Netzsperrengesetz “HADOPI 2″ aufgenommen, wie die futurezone berichtet.

Die Sozialdemokraten können als Opposition das Gesetz nicht verhindern. Anders als in Deutschland, wo die Sperrkritiker nur eine kleine Minderheit innerhalb der Partei darstellen, versuchen die französischen Sozialdemokraten aber, es möglichst lange hinauszuzögern (und damit das Thema am Köcheln zu halten, ohne dass die Regierung Fakten schaffen kann). Zu diesem Zweck hat man über 700 (!) Abänderungsanträge eingebracht.

Und noch ein interessantes Detail zur nun im Gesetz geplanten Beteiligung von Richtern:

Laut einer internen Studie der französischen Regierung soll ein HADOPI-2-Verfahren 45 Minuten dauern, davon seien fünf Minuten für die Entscheidungsfindung des Richters vorgesehen.

Internetzugang ist ein Menschenrecht

In der Freude um die Zurückweisung des französischen Internetsperr-Gesetztes HADOPI durch die obersten Verfassungshüter (und der Aufregung darum, dass das der Regierung von Nicolas Sarkozy relativ egal ist) ist, zumindest für mich, die Begründung und ihre Bedeutung etwas untergegangen.

Neben dem Hinweis dass HADOPI die Unschuldsvermutung untergräbt, begründet der französische Verfassungsrat sein Urteil nämlich damit, dass die der Kommunikationsfreiheit, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist, widerspricht. Diese grundlegende Freiheit umfasst heute auch die Nutzung des Internet.

Das ist ein bemerkenswertes Urteil, und langsam scheint sich diese Sichtweise zumindest zu etablieren. ReadWriteWeb berichtet von einer (mutigen) Prognose von Corey Doctorow:

Here’s a prediction: in five years, a UN convention will enshrine network access as a human right (preemptive strike against naysayers: “Human rights” aren’t only water, food and shelter, they include such “nonessentials” as free speech, education, and privacy). In ten years, we won’t understand how anyone thought it wasn’t a human right.

Der Europarat nahm den Internetzugang erst Ende Mai in Namen von Meinungs- und Informationsfreiheit vor unverhältnismäßigen Maßnahmen im “Kampf gegen den Terrorismus in Schutz, als man sich traf, um überhaupt eine Linie in den Fragen “neuer Medien” zu finden.

Tags: Europarat, HADOPI, Menschenrechte