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CRE124: “Kampf gegen Zensursula”

Die Ausgabe 124 des Chaosradio Express beschäftigt sich nochmal in aller Ausführlichkeit mit dem Thema Internetsperren. Schwerpunkte des Podcasts sind unter anderem: Zensursula, die Wirksamkeit von Internetsperren, die Entwicklungen der letzten Wochen, die Medienberichterstattung und wie es die Netzgemeinde geschafft hat, ihr Anliegen aus dem Internet rauszutragen.

Durch die Sendung moderiert wie gewohnt Tim Pritlove, Interviewpartner ist Frank Walther vom scusiblog:

Im Gespräch mit Tim Pritlove erläutert Florian “scusi” Walther die Hintergründe seines eigenen Engagements und welche anderen Aktivisten und Ereignisse die politische Agenda bisher beeinflussten. Dazu wird ein Blick auf die bisherigen Erkenntnisse gerichtet, wie sich der sogenannte “Markt” der sog. “Kinderpornographie” tatsächlich darstellt und warum der Begriff selbst mehr als irreführend ist,

Weitere Themen: Realitäten und Scheinrealitäten im Bereich der “Kinderpornographie”, Inhalte und Strutur der Sperrlisten in anderen Ländern, warum Banken Phishing-Websites problemlos und schnell abgeschaltet bekommen, Realitäten von Hausdurchsuchungen, Wikileaks, wie KiPo-Angebote technisch realisiert werden und die Mobilisierung der Szene.

zur Sendung: CRE124: Kampf gegen Zensursula
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Tags: Chaosradio Express, CRE124, Frank Walther, Internetsperren, KiPo, Podcast, scusiblog, Tim Pritlove, Zensursula

G-8-Staaten wollen Kontrolle

Die G-8-Staaten (Deutschland, USA, Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Italien sowie Russland ) haben ihre Innen- und Justizminister auf ein Treffen geschickt. Dort haben sich diese selbstverständlich dem GSaZ (Größtes Sicherheitsproblem aller Zeiten) angenommen, dem Internet, berichtet die Futurezone.

Sie werden jetzt nämlich “schwarze Listen für Kinderporno-Websites” führen. Buhu. Listen. Die haben sich bisher als so überaus effektiv erwiesen. Vor allem aber, was passiert mit Seiten die auf diesen Listen landen? Werden die gelöscht? Oder doch, weils irgendwie einfacher ist und auch gut klingt, eben mal gesperrt? u

Außerdem will man stärkere Kontrollen von sozialen Netzwerken wie Facebook, da diese angeblich überaus attraktiv für Terroristen und das organisierte Verbrechen seien. Wieso? Vielleicht ist das naiv und blöd, aber wieso? Als Kommunikationsplattform werden sie es kaum nützen, zur Rekrutierung (Du hast Post: “Möchtest du Mitglied der Al Kaida werden?”) sind sie auch nicht geeignet und Propaganda betreiben die angesprochenen eigentlich nicht, vielleicht einige terroristische Vereinigungen, aber welches soziale Netzwerk in der Einflusssphäre der G-8-Staaten würde den Gruppen der Art “Tod allen Ungläubigen” existieren lassen?

Im Übrigen ist es wieder mal typisch, dass wenn es darum geht irgendwelche einschränkenden Maßnahmen zu begründen, genau kein Grund außer der Verweis auf die völlig nebulösen Wörter “Terrorismus” und “das organisierte Verbrechen” gegeben werden kann…

Tags: Facebook, Organisiertes Verbrechen, Soziale Netzwerke, Terrorismus

Sperren ist gefährlich, löschen erfolgreich

Innerhalb von weniger als 12 Stunden waren 60 kinderpornografischen Webseiten nicht mehr zu erreichen. Dank Internetsperren? Nein, wie netzpolitik.org berichtet, dank des Arbeitskreises gegen Zensur. Während die Provider als offensichtlich kooperativ sind (nona, das sind Unternehmen, wer hat schon gerne den Ruf Kinderpornos zu verbreiten?) und sie zu kontaktieren leicht und schnell zu erfolgen führt, glauben andere, dass man ein für Informierte leicht zu umgehendes, aber von der Stoßrichtung her brandgefährliches Zensurinstrument braucht, das Kinderpornographie (und anderes) nur in einem bestimmten Land überdeckt, während alles Material ungestört am Server bleibt. So, was klingt da jetzt vernünftiger?

Tags: Löschen, Provider

90% für Sperren, 90% gegen Sperren

Reine Verschleierungstaktik als Hintergrund der Internetsperren, kinderleicht zu umgehende Technik und die eigentlich bereits gesetzlich gefestigte Möglichkeit, Kinderporno-Server einfach aus dem Netz zu nehmen: Diese und andere fundierte Kritik an den von der deutschen Bundesregierung geplanten und womöglich von der österreichischen übernommen werdenden Schein-Maßnahmen wird mittlerweile auch über die Massenmedien publik. Den hartnäckigen Verfechtern der Internetsperren stößt dies natürlich sauer auf – was wäre also naheliegender, als einfach das Volk zu befragen, was es von Kinderporno-Sperren im Internet hält?
So oder so ähnlich muss der Gedankengang der Deutschen Kinderhilfe (DKH), eines etwas dubiosen Vereins, ausgesehen haben, bevor sie das Umfrageinstitut Infratest mit einer Befragung über die gesellschaftliche Akzeptanz potentieller Netzsperren beauftragt hatte. Das erstaunliche Ergebnis: 92% Zustimmung für die Pläne Ursula von der Layens, die restlichen 8% wurden von DKH-Chef Georg Ehrmann somit schnell als „Internetliebhaber, Blogger, im Grunde also um eine Minderheit“ entlarvt.

Jetzt nahm sich jedoch Christian Bahls der Sache an, der den Verein Mogris – Missbrauchsopfer gegen Internetsperren gründete und das Blocken von Kinderporno-Seiten als das sieht, was es eigentlich ist: ein halbherziges Augenverschließen vor der weiterhin realen Existenz der dahinterliegenden Datenserver. Mittels einer eigenen Umfrage, ebenfalls bei Infratest in Auftrag gegeben, kam er zum genau gegenteiligen Ergebnis: 90% sprachen sich dieser zufolge gegen die Internetsperren aus – womit Bahls jedoch keinen Kleinkrieg zwischen zwei meinungskonkurrierenden Vereinen entfachen wollte, sondern lediglich aufzeigt, wie leicht ein gewünschtes Ergebnis mittels Suggestivfragen erzielt werden kann.

So ließ die DKH folgende Frage an 1000 Repräsentativbürger stellen:

Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornographischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornographischer Seiten im Internet oder dagegen?

Mogris wiederum wollte wissen, ob man der folgenden Aussage zustimme oder nicht:

Der Zugang zu Internetseiten mit Kinderpornographie sollte durch eine Sperre erschwert werden, das reicht aus, auch wenn die Seiten selbst dann noch vorhanden und für jedermann erreichbar sind.

Und Überraschung: Lediglich 5% der Befragten stimmten dieser Aussage zu, mehr als 90 Prozent lehnten sie ab. Die Aussage „Internetseiten mit Kinderpornographie sollten konsequent gelöscht und die Betreiber strafrechtlich verfolgt werden.” befürworteten hingegen ganze 92%, jene nach einer völligen Freiheit im Internet (also auch beim Ansehen von kinderpornografischem Material) gerade mal 2%.
Bei der DKH, die die Entscheidungsfrage zwischen einem „völlig freien (von staatlicher Kontrolle, Anm.) Internet“ und einem „in dem vom Staat bestimmte strafbare Inhalte auch kontrolliert und gesperrt werden können“ stellt, sprachen sich hingegen 9% für die völlige Netzfreiheit aus, 84% lehnten diese ab und waren für die staatliche Kontrolle.

Deutlich wird also, dass anstatt mit undeutlichen Umfrageergebnissen in der Hand lauthals an die Öffentlichkeit zu treten, ein sachlicher Diskurs eher angesagt wäre. Dies dürfte seitens Mogris bei einem Verein, der sich Fakten verschließt und stur an der Unterstützung der geplanten Regierungsmaßnahmen festhält, allerdings schwierig sein. Verübeln kann man es letzterem bei einem Klima wie dem Deutschlands aber nicht, wo Bundesminister von Netzkundigen als „Pädokriminellen“ sprechen und sich „betroffen“ fühlen, wenn  Leute gegen die Sperrvorhaben mobil machen.

(Quelle: ZEIT ONLINE)

Tags: Infratest, Kinderhilfe, Mogris

Videoschau

  • “ZAPP – das Medienmagazin” (NDR) bringt einen hervorragenden Bericht über die deutsche Debatte. (via murdelta)
  • Internetsperre ganz einfach umgehen.
  • So funktionieren die DNS-Sperren (großartige Erklärung mit LEGO!)
  • 3sat – neues berichtet über den “Kampf gegen Kinderpornographie
  • Tags: DNS-Sperren, Zensursula