Archiv der Kategorie Sperren

Irans Internetzensur

Der Standard” berichtet darüber, dass die Zensurinfrastruktur des Iran wesentlich von Nokia Siemens Network (ein Joint Venture der beiden namensgebenden Konzerne) errichtet worden sei. Vom Versush der Konzerne sich da rauszuwinden abgesehen, ist der erste Absatz sehr wichtig:

Die Installation von Internet-Überwachung und Filter-Technologien wird gerne damit gerechtfertigt, dass sie ja “nur” zum Schutz vor kriminellen Auswüchsen der Gesellschaft gedacht sei, die breite Masse entsprechend nichts zu befürchten habe. Eine Argumentation, die einen nicht zu unterschätzenden Haken hat: Die Definition der Frage, was “kriminell” ist, obliegt den jeweiligen MachthaberInnen, einmal installiert gibt sie auch autoritären Regimen massive Möglichkeiten zur Unterdrückung der demokratischen Opposition an die Hand.

Exakt! Selbst wenn die Zensurinfrastruktur von der besten und vertrauenswürdigsten Regierung aller Zeiten errichtet würde, bei der man 100%ig sicher sein könnte, dass sie sie ausschließlich “widmungsgemäß” verwendet – wer garantiert dass das die darauffolgende Regierung auch macht? Irgendwann kommen potentiell gefährliche Menschen an die Macht, und da sollte ein stabiles System vorhanden sein, dem sie wenig Schaden zufügen können, und nicht eine Infrastruktur um Kritiker anzugehen.

Tags: Demokratie, Internetsperren, Iran

Wie “Die Presse” über Internetsperren berichtet

Heue morgen erschien ein erster Artikel über den Beschluss des deutschen Bundestages Internetsperren einzuführen, auf der Website der “Presse”. Bei dem völlig unkritischen Text, der mehr einer Presseaussendung der zum Symbol gewordenen deutschen Ministerin “Zensursula” von der Leyen ähnelt, als einem Artikel einer Qualitätszeitung, dürfte es sich um eine Agenturmeldung handelt, das lässt zumindest der Vermerk “(Ag. )” am Ende des Textes vermuten.

Ganz anders der zu Mittag veröffentlichte Artikel “Deutsche Kinderporno-Sperren: Viel Lärm um wenig Wirksamkeit” von Daniel Breuss. Dieser verlinkt zwar auf den ersten Artikel, aber das war es dann auch schon, mit der Pro-Position. Es wird dem AK Zensur viel Platz gewährt, es wird ohne “Nebelgranaten” auf berechtigte Zweifel hinsichtlich irgendeiner Wirksamkeit hingewiesen, die Vorzüge und die Realisierbarkeit von “Löschen statt Sperren” werden ebenso besprochen, wie die kommende Bundestagswahl als Motiv für schnellen, billigen Populismus.

Sogar Harald Gremel vom österreichischen BKA, der Internetsperren absurder weise für wirksam hält und sich für diese ausspricht, wird nur so zitiert, als gäbe es im BKA kein Interesse daran. Bis auf letzteres ist der Artikel eigentlich ein guter Beitrag zur Volksbildung, nur Zitate muss man nicht so verkürzen, dass sie die gegenteilige Meinung des Urhebers unterstützen…

Tags: Medien

Deutschland beschließt Internetsperren und diskutiert Erweiterung

Heute hat, wie erwartet, der deutsche Bundestag das Gesetz zur Einführung von Internetsperren beschlossen. Unter anderem war von Gegner argumentiert worden, dass damit eine Zensur-Infrastruktur errichtet würde, die dazu einlädt, auch für andere Seiten als “bloß” kinderpornographische verwendet zu werden. Von Seiten der Sperr-Befürworter hießt es dann immer sinngemäß “Aber nein, niemals”.

Heute, nachdem das Gesetz beschlossen wurde, macht der CDU-Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl bereits den Vorstoß, Internetsperren auf sogenannte “Killerspiele” auszuweiten (und bekräftigte damit nur einen Plan der in der CDU schon länger zu bestehen scheint).

Tags: CDU, Killerspiele, SPD, Sperrausweitung, Zensursula

Grüne erklären sich internetsperren

Ich habe ja schon in meinem letzten offenen Brief auf den Klubobmann der Oberösterreichischen Grünen Gottfried Hirz verwiesen. Der liebe Mann hat im Landtag für die Einrichtung einer Zensurinfrastruktur argumentiert und ich wollte das ihm sein grüner Kollege aus dem deutschen Bundestag einmal die Gefahren davon erklärt.

SG Klubobmann Gottfried Hirz,

ich habe ihre Rede im Oberösterreichischen Landtag gesehen und habe ihnen entschieden Widersprochen, da ihre Argumentation für mich sehr Gefährlich war.

Um ihnen meine Punkte darzulegen bitte ich sie einfach sich das gestrige Video ihres deutschen Parteikollegen Wolfgang Wieland aus dem Bundestag anzusehen.

Es geht bei dieser Zensurinfrastruktur nicht um die Verhinderung von Kinderpornographie oder dem Markt der darauf basiert.

Viele Beispiele aus Deutschland zeigen wie mit bestehenden Rechtsmitteln die Angebote innerhalb von Stunden vom Netz genommen werden können und gegen die Provider vorgegangen werden kann. Eine von ihnen argumentierte Zensurinfrastruktur hätte stattdessen weitreichende Folgen für die Informations- und Meinungsfreiheit im Internet.

Dieses Thema bewegt die Menschen, dass zeigt auch eine Petition im deutschen Bundestag, die annähernd 135.000 Menschen unterzeichnet haben.
Die Taktik die hier angestrebt wird ist auch absolut inadäquat um dem Problem zu begegnen. Die angestrebten Maßnahmen dienen weder der Verhinderung derartiger Straftaten noch werden die Dokumentationen davon wirklich gelöscht. Nach dem deutschen Modell, dass sie ja offiziel anstreben, wird nur ein Stoppschild davor gehängt. Deshalb hat sich in Deutschland auch schon ein Verein von Missbrauchsopfern gegen Internetsperren gegründet, der gegen die Instrumentalisierung dieses Themas auftrit.

Ich bitte Sie dieses Thema zu überdenken und nicht dem einfacheren, populistischen Kurs zu folgen.

mit freundlichen Grüßen,

Hier nochmal das Video von “unserem” Grünen:

(eine Kuriosität: beide Videos gleichzeitig laufen lassen und hören welche Wörter gleich sind)

Eine etwaige Antwort poste ich natürlich hier.

Dieser Beitrag ist ebenfalls auf hacking the social web erschienen

Tags: Grüne, Zensursula

134.014

So viele Unterzeichnungen bekam die deutsche Petition “Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” und brach damit alle Rekorde. Die für eine Behandlung im Petitionsausschuss des Bundestages benötigten 50.000 Unterschriften wurden innerhalb von 4 Tagen erreicht. Nun ist die Petition gegen Internetsperren die erfolgreichste Petition bisher. Allerdings droht ihr dasselbe Schicksal, wie der bis dato erfolgreichsten Petition (für eine Halbierung der Besteuerung von Benzin und Diesel) – vom Petitionsausschuss behandelt und dann abgeschlossen (dh heißt der Ausschuss sagt “sorry, aber das geht nicht”) zu werden. Gerade wenn man die nach dem Umfaller der SPD eingekehrte Einigkeit der deutschen Großen Koalition hinsichtlich der Einführung von Sperren (und auch beim Datenschutz) bedenkt.

Tags: CDU, ePetition, SPD, Zensursula